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02608 Designdienstleistung planen

Dieses Kapitel informiert Unternehmer, Manager sowie Entwicklungsleiter über den effizienten Einsatz von Industriedesign als Bestandteil der Produktentwicklung und Wertschöpfung in der Medizintechnikbranche. Warum schafft Design Mehrwert? Wie finde ich den passenden Designpartner? Welche Arbeitsstrategien verfolgen Designer? Solche Fragen sind für Entscheider genauso wichtig wie das Wissen um Kosten oder die Ablösung von designrelevanten Schutzrechten. Auch die Kommunikation zu Gestaltungsfragen sowie das Einholen vergleichbarer Designangebote werden dargestellt.
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1 Was bringt Design?

Wer externe Dienstleister einsetzt, muss sich schon im Vorfeld Gedanken machen, ob sich diese Investition lohnt. Gerade wenn so abstrakte Begriffe wie Ästhetik oder „guter Geschmack” auftauchen, fällt es Entscheidern schwer den Wert einzuschätzen.

1.1 Vorteile durch Design im Wettbewerb

Ist ein Produkt in der Medizin einzigartig, bedarf es keiner besonderen Merkmale, es muss funktionieren. Die ersten Herzlungenmaschinen (HL) etwa versprühten den Charme elektromechanischer Versuchsaufbauten. Chirurgen und Techniker verstanden sich als Pioniere. Mit der fortschreitenden medizinischen Entwicklung gab es immer mehr Hersteller auf dem Markt. Forderungen an Benutzerfreundlichkeit und Gestaltung des Arbeitsplatzes wurden neu formuliert. Heutige Herzlungenmaschinen sind richtige Arbeitsplätze. Das Chaos an Schläuchen und Kabeln wird geordnet. Mittlerweile gibt es sogar eine transportable HL, deren Schlauchsystem in einer Kassette steckt.

1.2 Design fördert den Verkauf

Patienten werden Kunden. Zwar entscheidet der Patient nicht direkt über die Ausstattung einer Praxis, aber es gibt indirekte Einflüsse. Es spricht sich unter Frauen sicherlich schnell herum, ob eine Klinik einen Kreißsaal im 60er-Jahre Edelstahl- und Kacheldesign hat, oder ob sie über farbenfrohe Sicherheit vermittelnde Räume mit Geräten in einer weichen Formensprache verfügt.
Ist der Patient der Kunde z. B. bei Heimgeräten, entscheidet die Emotion, wenn die Produkte vergleichbar sind.

1.3 Design zeigt Qualität

Im Zeitalter der Mikroelektronik lassen sich Wirkung sowie Funktion nicht mehr ohne Weiteres an einem Gerät ablesen. Wenn für die Entwicklung einer Elektronik Jahre aufgewendet wurden, muss die Benutzeroberfläche das repräsentieren.

1.4 Design steigert Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit

Aufgaben eines Designers überschneiden sich gelegentlich mit denen des Ingenieurs z. B. im Bereich der Usability. Auf Medizintechnik spezialisierte Designer kennen sich gut in den Bereichen der Ergonomie aus. Bei der Planung werden neben dem Patienten, das medizinische Personal sowie der Herstellungsprozess berücksichtigt.

1.5 Innovation durch Design

Sicherlich kann Design als Disziplin keine neuen Therapien hervorbringen, als Teil der Innovationskette leistet es allerdings gute Dienste.
Eigenständige Designbüros verfügen oft über Erfahrungen aus anderen Branchen. Bei der Entwicklung der HL 30 für Jostra (später Maquet) setzte D-Team seine Erfahrungen aus dem Büromöbelsektor ein. Das Ergebnis war eine Maschine, an der der Kardiotechniker aufrecht sitzen konnte, alle Bedienelemente wurden in Greifweite halbkreisförmig angeordnet. Die bisherigen Maschinen waren linear aufgebaut, wesentliche Bedienelemente befanden sich in einer Höhe von ca. 50 cm über dem Boden!

1.6 Image durch Design

Keine Firma kommt an der Frage ihres Erscheinungsbildes vorbei. Produktdesign eingebunden in eine Markenstrategie ist dabei eine wichtige Facette. Je mehr es gelingt, den Produkten ein wiedererkennbares Erscheinungsbild zu geben, umso mehr wird die Marke davon profitieren. Das gelingt nicht nur großen Firmen.

2 Wie viel Design braucht mein Unternehmen – wann?

Ob start-up oder etabliert, eine Erfindung oder neuartige Therapie reicht nicht zum Produkterfolg. Jedes Unternehmen macht sich Gedanken, wie es mit vorhandenen Mitteln und Ressourcen langfristig zum Erfolg gelangt. Design ist eines dieser Mittel. Die Art wie es eingesetzt wird, basiert auf der Geschäftsstrategie und ist dementsprechend zu planen.

2.1 Die „Wir sind fertig!”-Strategie

Auch heute noch wird Design nicht selten für eine künstlerische Disziplin gehalten, die notwendig ist, ein Produkt nach abgeschlossener Entwicklung zu „verhübschen”.
Oft dämmert es dem Entwicklungsleiter bei einem Messebesuch, dass die Konkurrenzprodukte „irgendwie” besser aussehen. Das ist der Zeitpunkt zu dem, bei fast abgeschlossener Entwicklung, die Produktgestalter ins Boot geholt werden.
Wollen diese ihren Job richtig machen, kommen sie zwangsläufig den Ingenieuren in die Quere. Die ein oder andere technische Änderung „wäre eigentlich” notwendig, um die Gebrauchstauglichkeit oder Produktästhetik zu verbessern. Die Entwickler sehen ihre Konstruktion schnell infrage gestellt – und überhaupt, das Ganze soll ja auch noch produziert werden können. Dieses Vorgehen spart weder Geld noch Zeit.
Ein Szenespruch lautet: „Der natürliche Feind des Ingenieurs ist der Designer!”
Solche Vorurteile kommen nur durch schlechtes Timing im Entwicklungsprozess zustande.

2.2 Die „Von Anfang an dabei!”-Strategie

Große Unternehmen leisten sich interdisziplinäre Teams, um neue Produkte zu entwickeln. Prinzipiell können das auch kleine und mittelständische Betriebe.
Die Entwicklung oder Notwendigkeit eines neuen Produkts zeichnet sich im Voraus ab.
„Jour fixe”
Veranstalten Sie kreative „Jours fixes”, an denen idealerweise Geschäftsleitung (zumindest zeitweise), Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Fertigung und Design beteiligt sind. Die Honorierung externer Partner bleibt somit überschaubar. Außerdem wird das Produkt „everybody’s baby”, keine Abteilung fühlt sich außen vor. Wird die Entwicklung konkret, sind alle auf einem guten Informationsstand.
Insbesondere für Start-up-Unternehmen, die sich mit „Venture Capital” finanzieren und sich somit von Geldgeberrunde zu Geldgeberrunde hangeln, kann Design bares Geld verdienen. Durch die heutigen Rapidprototypingtechniken lassen sich schnell Designentwürfe kostengünstig realisieren. Nichts verdeutlicht den Stand einer Entwicklung besser als ein Modell, das vielleicht schon Funktionalitäten besitzt. So wird für die Finanziers „begreifbar”, was ihnen später Gewinn generieren wird. Solche Modelle haben oft erheblichen Einfluss darauf, ob weiter finanziert wird oder nicht!
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